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Rede an die Menschheit

Ottmar Hörl
(300 Pages, 30,5 x 22,5 x 2,5 cm)
Text: D
ISBN: 978-3-933487-55-1
50,00 EUR + Porto

Ottmar Hörl (*1950) ist ein Künstler der Pluralität, des Kommunikativen. Sehr früh entschied er sich für das Material Kunststoff, das Serielle, die Verwendung von industriell gefertigten Materialien. Für Ottmar Hörl lässt sich die Idee der Skulptur, die Idee der Malerei oder des Monochromen nicht auf eine einzige zwei- oder dreidimensionale „Lösung“ reduzieren. Er verweigert sich geradezu dem „Markenzeichen“, wenngleich eine jede seiner Ideen in ihrer Konsequenz eine unbegrenzte Fortsetzung erlauben würde. Er ermöglicht keine Kategorisierung, wenngleich sich die künstlerisch-gestalterischen Ansätze in ihrer Unterschiedlichkeit aufeinander beziehen. Das vorliegende Buch gibt einen Überblick über die Jahre 1978 bis 2010 und will die Zusammenhänge aufzeigen. Der Titel Rede an die Menschheit hat neben seinem Werkbezug eine eindeutige Referenz zur kommunikativen Idee des Künstlers Ottmar Hörl. Er will, dass seine Arbeiten unsere Zeit implizieren, dass die verwendeten Materialien „vertraut“ sind. Und er will – vielleicht als extremste Form der einladenden Kommunikation – mit seinen wiederholten Installationen im öffentlichen Raum die Ebene des eindeutig Multiplen, des Populären, in seinen Werkkomplex integrieren. Entwirft Ottmar Hörl damit Konzepte, die er mit unterschiedlichen Präsentationen auf ihre „Alltagstauglichkeit“ hin überprüft?

Ottmar Hörl: Der Künstler beantwortet Fragen, die niemand gestellt hat. Wir alle wissen nicht, wie die Dinge laufen werden. Wir haben Angst vor Krankheit, vor Tod, vor Unfällen, vor unvorhersehbaren Katastrophen. Damit werden wir tagtäglich konfrontiert. All das auszuhalten ist eine Idee von Kunst. Und wenn diese Idee nicht naiv wäre, wären die Menschen ausgeschlossen. Somit beantwortet der Künstler die Fragen naiv – mit einer eigenen Art von Vorstellung, die bis zu einem bestimmten Punkt geht. Indem er nämlich nicht behauptet, etwas besser zu wissen als alle anderen, sondern nur an die Tatsache glaubt, dass es etwas gibt, um eine Frage zu beantworten, der eine weitere Frage folgt. Dies impliziert eine einfache Strukturierung der Fragen, so dass möglichst viele Menschen daran teilnehmen können. Denn je mehr Menschen an einer Frage mitdiskutieren, desto mehr Möglichkeiten werden als Lösungsvorschläge entwickelt.

Wenn nur drei Menschen an einer Weltveränderung beteiligt sind, bedeutet dies – wenn sie entsprechend blöd sind –, dass sie die Welt zerstören können. Die Tatsache aber, dass eine Million blöd sind, ist relativ unwahrscheinlich. Wir haben erlebt, dass die 4 Personen Stalin, Mussolini, Hitler und Franco extreme Denkformen entwickelt haben, die diese Welt fast an den Rand der totalen Zerstörung brachten. Demgegenüber steht die Liberalisierung des Meinungsprozesses auf dieser Welt. Indem wir viele Meinungen zulassen und diese wiederum von vielen Meinungen untersuchen lassen. Das ist, was mich als Künstler interessiert. Dass meine Formulierungen für mich selbst die nächste Frage aufwerfen. Diese nächste Frage wird möglich, da ich keine endgültigen Lösungen anbiete – weil es die nicht gibt.

 

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